Kurzzeittherapie

Was sie ist, wann sie hilft und was in wenigen Sitzungen möglich ist

„Ich stecke in einer Lebenskrise. Ich brauche Hilfe um alles zu ordnen und wieder zu mir selbst zu finden.“

Manchmal reichen wenige Sitzungen, um aus einem festgefahrenen Muster herauszukommen.

Bei der Kurzzeittherapie können in der Regel bis zu 24 Sitzungen mit jeweils 50 Minuten durchgeführt werden. Dabei muss dieser Rahmen nicht ausgeschöpft werden. Manchmal lässt sich ein konkretes Anliegen bereits in deutlich weniger Sitzungen bearbeiten.

Manchmal gibt es ein konkretes Problem, das sich zugespitzt hat: z. B. eine berufliche Krise, starke Selbstzweifel oder eine Entscheidung, die schwerfällt. Manchmal ist es auch eine anhaltende Belastung, bei der man einfach nicht weiterkommt. Hier kann es hilfreich sein, das auslösende Problem genauer zu benennen und gezielt daran zu arbeiten, was den Druck gerade aufrecht erhält. Eine Kurzzeittherapie kann auch sinnvoll sein, wenn bereits Therapieerfahrungen vorliegen oder vorhandene Fähigkeiten und Ressourcen wieder zugänglich gemacht werden sollen.

„Kurz“ bedeutet dabei nicht automatisch „oberflächlich“. Entscheidend ist vielmehr, dass die Therapie zu Ihrem Anliegen und Ihrer aktuellen Situation passt.

Wann kann eine Kurzzeittherapie sinnvoll sein?

Eine Kurzzeittherapie kann insbesondere dann passend sein, wenn sich das Anliegen gut eingrenzen lässt und ein konkretes Therapieziel formuliert werden kann.

Typische Anliegen, die sich gut eingrenzen lassen, sind beispielsweise:

  • eine aktuellen Lebens- oder Beziehungskrise

  • Stress, Überforderung oder Erschöpfung

  • eine Blockade bei einer wichtigen Entscheidung

  • Selbstwertprobleme oder Selbstkritik

  • akut berufliche Belastungen

  • Schwierigkeiten mit Abgrenzung und eigenen Bedürfnissen

  • Ängste oder Vermeidungsverhalten

  • eine Veränderung, die Sie schon länger vor sich herschieben

Kurzzeittherapie bedeutet nicht: weniger Diagnostik

Auch bei Kurzzeittherapie ist eine sorgfältige diagnostische Einschätzung wichtig.

Denn hinter einem zunächst klar umrissenen Anliegen können sich weitere Belastungen oder eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung verbergen. Umgekehrt kann sich im Erstgespräch herausstellen, dass keine längerfristige Psychotherapie notwendig ist.

Deshalb steht am Anfang die Frage: Was brauchen Sie?

Im Erstgespräch geht es darum, Ihre aktuelle Situation, Ihre Beschwerden und Ihre Ziele zu verstehen. Gemeinsam klären wir, ob eine Kurzzeittherapie sinnvoll ist, ob eine längerfristige Psychotherapie empfehlenswert wäre oder ob möglicherweise eine andere Form der Unterstützung besser passt.

Was können wenige Sitzungen bewirken?

Manchmal gibt es ein bestimmtes Thema, das sich über einige wenige Sitzungen gut bearbeiten lässt: Vielleicht fehlt gerade ein klarer Blick auf eine Situation, ein Verhaltensmuster steckt fest oder Sie wissen eigentlich, was Sie verändern möchten, schaffen es aber noch nicht, den ersten Schritt umzusetzen.

Hier kann das Ziel sein, neue Perspektiven zu entwickeln, Zusammenhänge zu verstehen und konkrete Veränderungen anzustoßen.

Dabei geht es also vorrangig darum wieder mehr Orientierung und Handlungsspielraum zu gewinnen und das eigene Leben wieder stimmiger zu erleben.

Eine besondere Form: die Single Session Therapy

Eine besondere, noch stärker fokussierte Form dieser Arbeit ist die Single Session Therapy (SST). Hier ist der Grundgedanke, dass das Gespräch so geführt wird, als wäre es das einzige. Bedeutsame Impulse und Veränderungen können auch in sehr kurzer Zeit entstehen. Weitere Sitzungen sind bei Bedarf möglich, werden aber nicht standardmäßig eingeplant.

Ziel einer Single Session kann z. B. sein, eine aktuelle Krise zu sortieren, eine konkrete Entscheidung zu klären, einen ersten Veränderungsschritt zu entwickeln oder eine neue Perspektive auf ein festgefahrenes Problem zu gewinnen.

Die Forschung dazu wächst, reicht aber noch nicht aus, um klare Empfehlungen für alle Situationen zu geben. Wer eine Entscheidung trifft, sollte das im Hinterkopf behalten und abwägen, was zur eigenen Situation passt. Eine aktuelle Übersichtsarbeit von 2025 fasste 24 systematische Reviews mit insgesamt 415 klinischen Einzelstudien zusammen. Dabei zeigten sich positive Effekte von Single-Session-Interventionen für verschiedene psychische Problembereiche. Gleichzeitig wurden methodische Einschränkungen der bisherigen Forschung festgestellt. Originalarbeit 2025

Eine systematische Übersichtsarbeit von 2023 untersuchte speziell die Wirksamkeit von Single Session Therapy bei Erwachsenen mit häufigen psychischen Störungen. Von sechs randomisierten Studien zeigten fünf positive Ergebnisse hinsichtlich depressiver Symptome. Aufgrund kleiner Stichproben, eines teilweise hohen Verzerrungsrisikos und der insgesamt noch begrenzten Forschung lassen sich daraus jedoch noch keine eindeutigen Schlussfolgerungen ableiten. Originalarbeit 2023

Single Session Therapy sollte deshalb nicht von vornherein als „Psychotherapie in einer Stunde“ verstanden werden. Entscheidend ist vielmehr die Frage: Was wäre für Sie in dieser einen Sitzung am hilfreichsten?

Und wenn eine Sitzung nicht reicht?

Manchmal stellt sich heraus, dass ein Thema doch komplexer ist, bereits lange besteht oder mehrere Lebensbereiche betrifft und eine einzelne Sitzung nicht ausreicht. Dann kann eine längerfristige psychotherapeutische Begleitung passender sein.

Finden Sie den Rahmen, der zu Ihrem Anliegen passt.

Vielleicht benötigen Sie, wenn Ihr Thema komplex oder langanhaltend ist, eine längerfristige psychotherapeutische Begleitung. Vielleicht möchten Sie zunächst ein konkretes Thema sortieren. Vielleicht sind Sie sich noch gar nicht sicher, was Sie eigentlich brauchen, und sind offen für eine fachliche Empfehlung.

Im Erstgespräch wird geklärt, wo Sie aktuell stehen, was sich verändern soll und welcher therapeutische Rahmen dafür passend erscheint.

Erstgespräche sind sowohl in meiner psychotherapeutischen Praxis in Berlin Moabit als auch online möglich. Nehmen Sie gern Kontakt zu mir auf.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik oder Behandlung.

Foto: Lizenzfrei von Evie S. auf Unsplash

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